Wie kann man nur auf die Idee kommen,
Nurflügelmodelle zu fliegen!?

Die Antwort ist: Neugier! Es begann im Herbst 1999, als eines meiner Segelfugmodelle bei einer harten Landung sein Leitwerk verloren hatte. Eine Reparatur schien nicht mehr lohnend (es war nicht der erste Bruch an dieser Stelle) und so blätterte ich den Katalog eines Modellbaugeschäftes durch.

Seit fast 30 Jahren hatte ich meine Modelle fast ausschliesslich nach Plänen und aus Balsaholz/Sperrholz gebaut. Nun sollte es etwas eleganteres und auch bruchfesteres sein.
Dabei stiess ich auf das Modell Geier von Robbe.
Der Idee, etwas Neues zu probieren, war ich nicht abgeneigt. Hinzu kam, dass das Modell keinen Rumpf mit Leitwerk besass, welches bei einer missglückten Landung hätte abbrechen können. So besorgte ich mir den Baukasten und ging ans Werk. Nach gut einer Woche war das Modell startklar. Ich begab mich damit zum nahen Sportplatz, um ein paar Gleitversuche zu machen. Dabei beschäftigte mich der Gedanke: wie kann so ein Modell stabil fliegen, wenn es kein Leitwerk hat. Es besitzt zwar zwei Querruder, doch ich hatte kein rechtes Vertrauen in die Dinger. Auch vermutete ich, dass das Modell unruhig und schwankend durch die Lüfte gleiten wird! Dann kam der Moment des ersten Starts. Mit einem kräftigen Stoss entliess ich das Modell gegen den Wind. Das Herz noch fast in der Hose, griff ich nach dem Steuerknüppel an der Fernsteuerung. Doch es gab nichts zu korrigieren! Das Modell glitt in einem flachen Gleitwinkel dahin! Dies war auch bei den nächsten Versuchen so. Was lag da näher, als die Gummiklitsche auszupacken und das Modell in den Himmel zu katapultieren. Es stieg steil hinauf und stabilisierte sich nach dem Ausklinken sofort. Auch Rollen und Loopings konnten problemlos geflogen werden. Damit hatte bei mir die Ära der Nurflügler begonnen.

Und wie es so ist, mit dem Essen kommt der Appetit. Nach ein paar Monaten baute ich den SIF. Es ist ein sichelförmiges Nurflügelmodell mit einem ganz besonderen Erscheinungsbild. Diese Form erregte bei Zuschauern und eingefleischten Modellbauern Interesse. Manche zweifelten daran, dass so ein Ding überhaupt fliegen kann. Und wie es fliegt! Obwohl es eine Balsa / Sperrholz-konstruktion ist, hat es zwei Abstürze (wegen Batterieausfall) unbeschadet überstanden. Für mich ein Hinweis, dass diese Modelle mehr aushalten, als man annimmt. Dies bewog mich, weitere Modell zu bauen und mich von den normalen Segelflugmodellen zu verabschieden. Von einem Nurflügelkollegen wurde ich auf das Modell ZAGI aufmerksam gemacht. Es hiess, dass es unzerstörbar sei und auch härteste Landungen oder Abstürze übersteht. Ich konnte mir das zwar schlecht vorstellen, doch meine Neugier war einmal mehr geweckt worden. Da dieses Modell in der Schweiz nicht erhältlich war, liess ich es aus Deutschland kommen. Die Pfeilflügelform gefiel mir sofort. Nach kurzer Bauzeit kam dann der erste Flug. An einem Hügel, bei Wind von ca. 3Bf., stiess ich das Modell von mir weg. Es stieg rasch in die Höhe und ich kurvte dem Hang entlang. Da die Ruderwirkung wesentlich stärker ist, als bei meinen bisherigen Modellen, geriet es mir für einen Moment ausser Kontrolle und es krachte in einen nahen Kirschbaum. Für mich war klar, nun musste repariert werden. Doch weit gefehlt! Nichts war kaputt! Ich konnte also das Modell wieder starten. Das Modell lebt noch immer und wird auf meinen Ferienreisen fast überall mitgenommen. Auch auf den Kanarischen Inseln fliege ich damit. Wer schon mal dort war weiss, dass es keine Wiesen zum Landen gibt. Nur Lavabrocken, Kakteen und Gebüsche. Das hat das Modell alles überlebt!

Ich war und bin von dem Material so begeistert, dass ich mich gleich auf die Suche nach einem Hersteller für EPP (Expandiertes PolyPropylene) machte. Nach vielen Telefonaten wurde dieser auch gefunden. Ich besorgte mir einen Block EPP und wollte mir selber Pfeilflügler zuschneiden. Doch da musste ich feststellen, dass meine Styroporerfahrungen zwar gut sind, aber nicht ausreichend. So wurden zuerst mal 100 Franken in den Sand gesetzt. Abhilfe schaffte zwischendurch ein Bekannter, der mit einer CNC-Anlage bessere Ergebnisse lieferte. Doch das kostete Geld und Zeit. Ich wollte gerne zwischendurch schneiden und bauen können. So wurde weiter experimentiert und dann kamen endlich die ersten brauchbaren EPP Flügel zum Vorschein. Alles lag nur an der Temperatursteuerung und dem absolut gleichmässigen Vorschub des Schneiddrahtes! Ich wollte keine teure elektronisch gesteuerte Anlage. Ausserdem sollte sie nicht unnötig Platz brauchen, da meine Wohnverhältnisse knapp sind. So wurde experimentiert, diverse Bauanleitungen ausprobiert (z.B. von R. Schweissgut oder U. Osinski), die aber alle nicht das gewünschte Ergebnis brachten. So war mein bester Helfer jeweils mein Sohn, der das andere Ende des Schneidbügels so exakt wie nur möglich über die Schablone zog. Und wenn man dann so sitzt und schneidet, überlegt man immer wieder, wie man dies oder das besser machen könnte. Und dann, innerhalb einer Woche hatte ich zwei Erleuchtungen, die mich nun in die Lage versetzen, die Pfeilflügel ohne fremde Hilfe und absolut gleichmässig zuzuschneiden. Da ein Pfeilflügel bekanntlich einen gemeinsamen Fluchtpunkt hat, bewegt sich mein nun verlängerter Schneidedraht um diesen Punkt. Den gleichmässigen Vorschub erreiche ich, indem ein Gewicht, das über eine Rolle läuft, den Schneidbügel gleichmässig weiterzieht (Schwerkraft-Prinzip). Nun war es mir möglich, eigene Ideen preisgünstig umzusetzen. So entstanden die Modelle RUSH, BF-6, ZACK, CHARLY, RUSH MAX, usw.
Weitere Modelle sind in Entwicklung.

Fertiger Flügel